Österreich · 7 Min. Lesezeit · Veröffentlicht am 4. November 2026
Krampus und Kinder: Angst nehmen, Nikolaus und Krampus erklären
Krampus und Kinder, das ist in Österreich jedes Jahr ein Thema. Für die einen ist der Krampuslauf der Höhepunkt des Advents, für andere ist schon der Schokokrampus im Geschäft ein Grund, sich hinter Mamas Bein zu verstecken. Beides ist völlig normal.
Hier findest du, wie du Nikolaus und Krampus kindgerecht erklärst, worauf du beim Krampuslauf achten kannst und was hilft, wenn dein Kind Angst hat. Ohne den Brauch schlechtzumachen und ohne die Angst kleinzureden.
Nikolaus und Krampus erklären: wer die beiden sind
Der Nikolaus erinnert an den heiligen Nikolaus von Myra, einen Bischof, von dem erzählt wird, dass er heimlich Menschen in Not beschenkt hat. Der Krampus ist in vielen Gegenden Österreichs sein Begleiter: eine Gestalt mit Fell, Hörnern, einer geschnitzten Holzmaske, der Larve, mit Glocken und einer Rute. Am 5. Dezember, dem Krampustag, ziehen die beiden in vielen Orten umher, am 6. Dezember ist Nikolaustag.
Für Kinder im Kindergarten reicht eine einfache Erklärung:
- „Der Nikolaus ist der, der schenkt. Der Krampus ist eine Figur aus einem alten Brauch, die laut und wild aussieht.“
- „Unter dem Fell und der Larve steckt ein Mensch aus dem Ort, der sich verkleidet hat.“
- „Du musst nichts tun, um ihn zu besänftigen. Du bist sicher, und ich bin bei dir.“
Was lieber nicht: mit dem Krampus drohen. Ein Satz wie „Wenn du nicht brav bist, holt dich der Krampus“ wirkt vielleicht kurz, macht aus einem Brauch aber eine echte Angst, die abends im Bett weiterlebt.
Krampuslauf am 5. Dezember: hingehen oder nicht?
Krampusläufe gibt es Ende November und Anfang Dezember in vielen Gemeinden, besonders in den Alpenregionen. Sie sind laut, dunkel, oft mit Feuer und Rauch, und manchmal laufen auch Perchten mit. Für Volksschulkinder kann das ein großes Erlebnis sein, für Kindergartenkinder ist es oft zu viel.
- Lieber tagsüber oder bei einem kleineren Lauf im Ort beginnen, nicht gleich beim größten.
- Am Rand stehen, hinter der Absperrung, mit genug Abstand zur Strecke.
- Kind auf den Arm oder an die Hand nehmen, bei Lärm einen Gehörschutz mitnehmen.
- Vorher besprechen, dass ihr jederzeit gehen dürft, und das auch tun, wenn das Kind es möchte.
- Wenn dein Kind nicht will: Das ist eine gute Entscheidung. Nächstes Jahr ist auch noch ein Krampuslauf.
Krampus-Angst bei Kindern: was beruhigt
Wenn dein Kind Angst vor dem Krampus hat, hilft zuerst, die Angst ernst zu nehmen. „Ich sehe, dass er dir Angst macht. Das versteh ich. Er sieht ja auch wild aus.“ Danach kann das Kind den Krampus langsam kennenlernen, in seinem eigenen Tempo.
- Bei Tageslicht eine Larve in einem Geschäft oder Museum anschauen, aus sicherer Entfernung.
- Einen Krampus malen, mit lustigen Socken oder einer Blume zwischen den Hörnern.
- Einen Schokokrampus essen: Was man aufessen kann, wird schnell kleiner.
- Im Kindergarten nachfragen, wie die Nikolausfeier abläuft. In vielen Kindergärten kommt heute nur der Nikolaus, und die Pädagoginnen bereiten die Kinder darauf vor.
- Nie zu einem Kontakt drängen, auch nicht für ein Foto.
Oft kommt die Angst abends wieder, wenn es dunkel ist. Was dann hilft, beschreiben wir in unserem Artikel über die Angst vor der Dunkelheit.
Eine sanfte Geschichte für den Abend: das Beispielbuch anhören
Nikolausabend zu Hause: gemütlich statt schaurig
Viele Familien feiern den Nikolaus vor allem zu Hause. Das Sackerl mit Mandarinen, Erdnüssen, Lebkuchen und einem Schokonikolaus gehört für viele Kinder einfach dazu, manchmal steht es am Fensterbrett, manchmal kommt ein verkleideter Onkel mit Bischofsstab und goldenem Buch vorbei.
- Für Kindergartenkinder: den Nikolaus allein kommen lassen, ohne Krampus, mit einem freundlichen Wort und einem Lob.
- Für Volksschulkinder: Wer mag, darf den Krampus erleben, gern mit einem Gespräch danach.
- Den Abend ruhig ausklingen lassen: ein Kerzerl am Adventkranz, ein Kakao, eine Geschichte.
- Im Adventkalender am 5. ein Bild vom Nikolaus verstecken statt eines Krampus.
Eine Geschichte, in der der Mut wächst
Geschichten geben Kindern Bilder für ihre Gefühle. Ein Held, der etwas Wildes trifft und merkt, dass es harmlos ist, bleibt im Kopf, auch wenn draußen die Glocken klingen. Mehr dazu, wie Geschichten beim Erkennen von Gefühlen helfen, steht in unserem Artikel über Gefühle und Geschichten.
Eine Idee unter vielen ist ein personalisiertes Bilderbuch. Eine Krampus- oder Nikolauswelt gibt es nicht, aber eine passende Kombination: der Zauberwald mit einer außergewöhnlichen Begegnung und einer Stimmung voller Mut, oder lieber sanft und beruhigend für jüngere Kinder. Dein Kind wählt in Bildern einen Helden, vielleicht den kleinen Drachen, der selbst ein bisschen Angst hat, und bis zu zwei Begleiter, etwa die weise Eule. Als Elternteil kannst du den Wert Mut oder das Thema Gefühle hinzufügen. Der Name deines Kindes steht im Text: Der Held denkt an es.
Das Buch ist in wenigen Minuten fertig, hat je nach Alter 16, 18 oder 20 Seiten und lässt sich am Tablet lesen oder als PDF ausdrucken. Wenn dein Kind mag, liest eine von künstlicher Intelligenz erzeugte Stimme vor, und es blättert selbst um.
Eine Mutgeschichte mit dem kleinen Drachen zusammenstellen, das erste Buch ist geschenkt
Häufige Fragen
Ab welchem Alter kann ein Kind zum Krampuslauf?
Das hängt vom Kind ab, nicht vom Alter. Viele Volksschulkinder genießen den Lauf, Kindergartenkinder sind oft überfordert. Lieber mit einem kleinen Lauf am Rand anfangen und jederzeit gehen dürfen.
Soll man mit dem Krampus drohen, damit das Kind brav ist?
Lieber nicht. Eine Drohung macht aus einem Brauch eine echte Angst, die oft abends wiederkommt. Der Nikolaus darf loben, der Krampus muss nicht strafen.
Was sage ich, wenn mein Kind fragt, ob der Krampus echt ist?
Ehrlich: Unter dem Fell steckt ein Mensch, der sich verkleidet, weil das ein alter Brauch ist. Viele Kinder sind erleichtert, das zu hören, und schauen danach neugieriger hin.
Mein Kind schläft nach dem Krampuslauf schlecht. Was tun?
Ruhig zuhören, das Erlebte mit einfachen Worten nacherzählen, ein Nachtlicht anlassen. Meistens legt sich das nach ein paar Tagen. Wenn die Angst lange anhält, frag die Kinderärztin oder den Kinderarzt.
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